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Sudan, March 09. Welcome to Africa!

March 11th, 2009 by Jens

Die letzten Tage in Jeddah waren voller Zweifel! Die Nachrichten aus/über den

Sudan haben mir ein paar mehr graue Haare beschert. Soll ich die Reise absagen?

Soll ich einen anderen Weg nehmen? Fast stündlich im Internet nach neuen

Nachrichten geschaut, in verschiedenen Foren um Meinungen gebeten, mit einigen

reiseerfahrenen Leuten telefoniert usw.  … aber zum Schluß muß man selbst die

Entscheidung treffen, fahren oder nicht fahren!!! Und ich muß gestehen, ich war

wirklich mal kurz davor, einzuknicken und das ganze abzublasen. Da war mein

Auto allerdings schon auf dem Zollgelände, das Boarding für die Passagiere

allerdings erst Stunden später.  :-)

 
Naja, mit komischen Gefühl im Bauch ging es dann auf die Fähre. Dort

angekommen, lernte ich Bandar und Said (zwei Saudische Geschäftsleute) und

Ahmed (einen Palistinänser, der im Sudan der Kosten wegen Zahnmedizin

studiert), kennen. Den Dreien traute ich meine Sorgen an und von da an waren

sie sehr bemüht, mich zu beruhigen. Bander kennt anscheinend relativ wichtige

Leute in der Regierung, Ahmed den höchsten Richter aus der Region Port Sudan

und falls etwas schief laufen sollte, gibt es Vitamin B!

 

Die Ausreise zog sich auf jeden Fall ziemlich in die Länge. Um 16 Uhr war

Boarding für die Passagiere. Zeitgleich wurde die Fähre mit Kontainern und

Fahrkzeugen beladen. Mein Auto mußte ich, wie oben kurz erwähnt, schon

vormittags mit allen wichtigen Papieren im Zollbereich unverschlossen mit

steckeneden Schlüssel stehen lassen, ein komisches Gefühl!

 
Als ich schon im Passagierbereich war, wurde ich allerdings vor dem Boarding

noch von den Verzollungsagenten angerufen. Er konnte kaum englisch, zu der Zeit

lernte ich gerade Ahmed kennen, der dann übersetzte. Irgendein wichtiges

Einreisedokument nach Saudi Arabien fehlte. Ich mußte nochmal zum Auto. Also

wieder raus, an allen Leuten vorbei zum Auto, dann zum Zoll. Denen mußte ich

dann irgendwie glaubhaft versichern, daß ich kein weiteres Einreisedokument bei

der Einreise nach Saudi Arabien bekommen habe und nach ein paar Minuten

Diskussion wurde kurzerhand das Einreisedokument vom Iran in die Vereinigte

Emirate hergenommen und ich durfte wieder in die Passagierhalle. Mit Bussen

wurden dann nach und nach die Passagiere zum Schiff gebracht. Um 0.30 Uhr legte das vollbeladene Schiff dann endlich ab. Zum Glück hatte ich mir eine 1.Klasse Ticket gekauft, was dann eine Vierer-Kabine war. Sonst schliefen die Leute, wo sie gerade einen Platz ergatterten, auf den Fluren, an Deck, unter den Treppen, einfach überall.

 
Nach 14 Stunden Fahrt endlich wieder an Land, welcome to africa! Die Einreise

war diesmal halbwegs unproblematisch und schon nach vier Stunden hatte ich mein Auto auch zolltechnisch im Sudan und fuhr von Suakin (Hafen der Fähre, 60 km südlich von Port Sudan) nach Port Sudan. Dort hat Bandar für uns schon ein Hotel gefunden. Dann mußten wir uns noch bei der Polizei und so einer Art Geheimdienst melden. Um von Port Sudan aber weg zu kommen,  enötigt man für die Check Points ein “Travel Permit”. Diese sollten wir dann allerdings erst am darauf folgenden Tag spät abends bekommen. Der Samstag war also geprägt von Polizei-/Behördengängen, Fotokopien hier, Stempel da und warten … sehr sehr nervig! Am Sonntag früh ging es dann endlich weiter. Bandar und Said mieteten sich ein Auto mit Fahrer und ich in Richtung  hartoum. Ahmed hatte noch immer keine Reisegenehmigung und wollte mit den Bus dann nach kommen, was wir sehr bedauerten, aber Ahmed bekam dann erst den morgen danach seine Reisegenehmigung :-(

 
Es war für mich unerwartet sehr heiss, war es in Port Sudan noch sehr warm und

schwül, so war es auf den Weg nach Atbara schon deutlich über 40 Grad. Erst

nach 18 Uhr ging das Thermometer unter die 40 Grad C. In Atbara bekam ich über

die Saudis wieder ein Hotelzimmer. Die Tatsache, das die beiden Saudis einen

Fahrer hatten und der ja auch irgendwo schlafen mußte, hatte den Vorteil, dass

sie mir das freie Bett in dem Zimmer anboten, in dem auch der Fahrer schlief.

Was ich in Atbara dankend annahm, da es an dem Tag sehr windig und dadurch sehr staubig war.

 
Montag dann nach Khartoum. Bandar hatte gleich einen geschäftlichen Termin und

ich suchte mir ein Hotel.

 
Viele wissen es ja bereits, hier im Blog kann man eh nichts verheimlichen,

abends kam Magdalena mit dem Flieger aus Frankfurt :-) Die nächsten Wochen

werden wir hier zusammen unterwegs sein.

 
Die letzten zwei Tage ging die Behördenrally weiter. Jeder Besucher muß sich

innerhalb von drei Tagen offiziell bei den Behörden melden, also dort wieder

Anträge ausfüllen, Passkopien abgeben und und und. Jetzt sind wir beide

gemeldet, haben eine Photo-Genehmigung, ich auch schon mein Äthiopisches Visum und unserer Reiseroute ist angemeldet. Für den Norden braucht man zum Glück nicht das gefürchtete Travel-Permit, denn für diese Genehmigung kann man angeblich gute drei Tage in Khartoum investieren. Also fahren wir erst mal in den nächsten Tagen in den Norden des Sudans.

 
Heute nachmittag machten wir dann gleich Bekannschaft mit dem ersten

Polizeirevier. Wir hatten alle Papiere und haben uns für den Nachmittag für

eine der wenigen touristischen Highlights bei Khartoum entschieden, der Souk

von Omdurman. Ein riesiger Markt. Magda fotografierte, natürlich erst, nachdem

sie den photographierten Personen zeigte/signalisierte, dass sie sie

photographieren wolle. Nach deren Einverständnis wurde dann photographiert.

Teilweise wurden wir sogar aufgefordert zu photographieren, von Leuten, die eben

photographiert werden wollten. Einigen anderen hat das anscheinend aber nicht

gefallen. Erst wurde mal zaghaft nach Geld gefragt, dann gefragt, für was wir

die Bilder brauchen und gleichzeitig wurde uns unterstellt, die Bilder zu

mißbrauchen um den Sudan in ein schlechtes Licht zu stellen. Wir versicherten,

dass wir die Bilder nur für uns und als Reiseerinnerung an unseren Urlaub

machten, gingen dann weiter und wurden ein paar Minuten darauf von einem

Polizisten in Zivil angesprochen, was wir hier photographierten, obwohl wir zu

dem Zeitpunkt die Kamera in der Tasche hatten, Zufall!?!? Wir “durften” dann

mit ihm zum nächsten Polizeirevier laufen, wo sie meinen Pass kontrollierten.

Nach ein paar Minuten durften wir wieder gehen, aber mit dem klaren Hinweiß,

das photographieren hier zu unterlassen :-(    (in diesen Moment hielt ich es für angebracht, nicht auf meine Photo-Genehmigung hinzuweisen und darauf zu bestehen ;-)  )

 
Danach dann wieder das genaue Gegenteil. Wir fuhren noch in einer Werkstatt, da

inzwischen doch ein paar Wartungsarbeiten für den Toyo anstehen und die

Lenkhydraulik Öl verliert. Die Leute in der Werkstatt waren wieder super

freundlich, haben uns schon fast gedrängt, noch länger in Khartoum zu bleiben,

damit man zusammen Ausfahrten machen kann und sie uns die Gegend zeigen können.

Allerdings haben sie erst ab Freitag Abend Zeit. Wir wollen aber doch erst mal

so schnell wie möglich raus aus der “Stadt” (ein Reiseführer bezeichnet

Khartoum als ein riesiges Dorf!), versprachen aber, daß wir uns nach unserer

Tour in den Norden wieder melden werden. Das gleiche gilt für diesen Blog ;-)

 

 

Hier die Bilder zum Blog:

http://www.cullmann.me/nggallery/page-11/album-1/gallery-49/

 

 
Viele Grüße aus Khartoum,

 
Euer Jens Cullmann

 

 

PS: Da wir bei unserer photographischen Arbeit ;-) behindert wurden und seit Jeddah nicht wirklich viel passiert ist, demnächst in der Gallery hoffentlich wieder mehr!

 

Vielen Dank an alle, die mir die tolle Musik zusammengestellt haben. Ich werde beim Hören an euch denken ;-)


9 Responses to “Sudan, March 09. Welcome to Africa!”

  1. Stephan Kern Says:

    Hallo Magdalena,
    hallo Jens,
    schön zu hören, daß alles gut läuft.
    Man hat als ein um Rat Gefragter immer ein mulmiges Gefühl, ob man jetzt mit seinem Rat richtig liegt oder ob man dazu beiträgt, daß jemand dadurch Probleme bekommt.
    Gott sei Dank klappt ja bisher alles wie am Schnürchen.
    Von der Bevölkerung erwartete ich auch nichts anderes.
    Man weiß aber nie, welche Direktiven die Beamten, mit denen man auf einer solchen Reise ständig zu tun hat und auf deren Entgegenkommen und korrektes Verhalten man angewiesen ist, in einer solchen politischen Situation “von oben” bekommen haben.
    Ich wünsch Euch nach ganz viel Spaß, tolle Momente und Erlebnisse und weiterhin viel Glück.
    Inschallah.
    Stephan


  2. Herbert FRITZ Says:

    Hallo Jens,
    jetzt ist mir klar, warum du nicht mehr mir dem Chauffeur in einem Zimmer schlafen wolltest!!
    Demnächst bitte ein Bild von Magdalena in der Wüste (dein letztes mit dem Schattenstern war Klasse).
    Bin wieder beruhigt nach der rel. langen Sendepause und wünsche euch beiden eine erlebnisreiche Weiterreise ohne Komplikationen!
    Herzlichen Gruß
    Herbert


  3. Gerhart Krutschinna Says:

    Hallo Jens,
    verfolge seit einiger Zeit Deine Reisen, nicht ohne gewissen Neid:-)
    Habe in meinem ersten Berufsleben (vor 50 Jahren) die Gegend per Seefahrt bereist, die Behörden-Hürden sind immer noch die gleichen, wie ich Deinen Berichten entnehme: Viel Spaß dabei!! Auch an den äusseren Verhältnissen ist trotz technologischen Fortschritts keine umwälzende Veränderung zu erkennen, also lohnt die Reise immer noch.
    Weiter alles Gute und möglichst keine Autopannen! Gruß Gerhart
    PS.: kennst Du mich überhaupt noch? 1999 Marmoladaflug!
    .
    Kommentar Jens:
    Hallo Gerhart, klar kann ich mich an Dich erinnern!
    Viele Gruesse, Jens


  4. Folkert Says:

    Hallo Jens,
    bin nach einigen Tagen offline auch mal wieder in Deinem Blog gelandet. Es bleibt spannend! Kenne selbst die arabische Gastfreundlichkeit zumindest von meinen Dienstreisen, manches Mal an der Grenze zum Aufdringlichen und auch darüber hinweg für uns Mittel-Europäer

    Weiterhin viel Spaß und paßt auf Euch auf,
    Folkert


  5. abd el sallam Says:

    I liked your website design and your photo gallery


  6. Harry Says:

    Hallo Jens und Magdalena,
    so nun endlich in Afrika, da gehen die Uhren nun wahrscheinlich etwas anders als im Orient. Ich wünsche Euch beiden für die nächste Zeit alles Gute und passt auf Euch auf.
    Bis bald
    Harry


  7. carola Says:

    hi ihr,
    jetzt wirds wohl ernst
    ann-katrin will buchen
    gehts euch gut
    jetzt gibts nimmer soviel zu berichten
    weil du nicht mehr alleine bist oder wie ??

    wir warten auf news vielleicht auch mal von magda
    liebe gruesse carola


  8. Franzi Says:

    Servus Magda, grüß dich Jens, danke noch mal für die netten Geburtstagsgrüße von euch aus der Wüste. Ich bilde mir ja heute noch was darauf ein *lach*. Grüßle auch von Jens-Frank und der Sia-Schnecke, die freut sich schon auf die Rückkehr von Magda *grins*. Bis dann dann, Die Franzi.


  9. bander Says:

    Hi Jens tank you jens for your nice words about me


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