dachte ich, als auf einen Pass abwärts in Ostanatolien kurz vor Erzurum einen LKW nach links rutschte und ich nach noch weiter links ausweichen mußte. Der Lkw-Fahrer hatte bei verschneiter glatter Fahrbahn die Kontrolle über sein Gefährt verloren und ruschte in einer Linkskkurve zur Fahrbahnmitte und ich in den Begrenzungsgraben zur anderen Straßenseite. Nach wilden Lenkmanövern ging es im Graben erst mal einen halben Meter nach unten und auf der anderen Fahrbahnseite wieder hoch. Es krachte bedenklich am Auto. Da Stand ich nun, falsch herum zur Fahrtrichtung. Die ersten Autos und LKW´s mit Lichthupe und Hupe an mir vorbei (und ich dachte noch: ein Geisterfahrer, von wegen, hunderte
Bei dem Versuch wieder auf meine Seite zu kommen, blieb ich dann allerdings im Straßengraben erst mal ganz hängen. Mir fehlte der Schwung vom Ausweichen
Die Räder der Beifahrerseite waren schon auf der verschneiten Straße, die beiden anderen Räder noch im Graben. Das Auto hatte gefährliche Schieflage. Nach zwei oder drei vergeblichen Versuchen, mich aus dieser misslichen Lage zu befreien, merkte ich, daß der Wagen sich noch tiefer in den Schnee eingrub. Zurück ging es nicht, dafür war es zu steil und die Raeder drehten durch.
Mit Mühe konnte ich die Fahrertüre öffnen, mir zitterten die Beine vor Aufregung. Von den vorher mühsam überholten Lkw´s hielt natürlich keiner an und der Verursacher war auch einfach weiter gefahren. Was tun?! Nach bangen Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, hatte ich einen Geistesblitz, stellte erst mal die Freilaufnarben an den Rädnern um und im Auto auf Vierradantrieb mit niedriger Übersetzung. Nach einigen Versuchen kam ich dann endlich frei, dann erst mal langsam an die rechte Seite der Straße und schauen, ob was kaputt ging. Aber anscheinend hatte ich alle Schutzengel und Glücksbringer die ich mitnehmen mußte, bis auf das äußerste strapaziert, denn es war nichts zu erkennen. Also vorsichtig weiter und auf jedes Geräusch achtend zum nächsten Nachtquartier an einer Tankstelle (siehe Foto in der Gallerie).
Das war am Abend des dritten Tages. Eigentlich wollte ich noch bis an die iranische Grenze, aber Schnee und Eis ab Ankara verhinderten dies. Die 1200 km ab Ankara durch Ostanatolien waren durchgehend verschneit und vereist. Wahrscheinlich war mein Auto auch das einzige auf der Strecke, das keine Winterreifen und/oder Ketten am Auto hatte. Mein Auto machte es wie die Hummeln, die auf Grund ihres Gewichts und Größe im Verhältnis zu ihren Flügeln eigentlich nicht fliegen können. Es fuhr erstaunlich gut, nur der Bremsweg war laaaaaaaaange! (Mama/Papa, das ist alles halb so schlimm wie es sich anhört, ehrlich!)
In den letzten Tagen hatte ich hinter dem Steuer viel Zeit, mir dann auch schon die Überschrift für diesen Blog zu überlegen. Eine wäre gewesen: In drei Tagen von Nürnberg in den Iran. Zur iranischen Grenze sind es 3770 km, doch durch meinen Ausflug in den Graben hab ich nach 14 Std. Fahrt die letzten 300 km sein lassen und nach Erzurum an einer Tankstelle im Auto geschlafen. So war ich erst am Morgen des vierten Tages an der Grenze zum Iran.
Die andere Überschrift die in die engere Auswahl kam, war die Nacht bei Erzurum. Mein Außenthermometer zeigte minus 21 Grad Celsius an. Meine Standheizung hat sich in den ersten vier Nächten schon ihre “Daseinsberechtigung” erarbeitet und ich bin froh, daß ich mich gegen all die kritschen Stimmen für eine Heizung entschieden habe.
Sonstige besondere Vorkommnisse / erste Eindrücke:
- Mein linker Blinker am Auto, der aus irgeneinen Grund ab Österreich nicht mehr ging, funktionierte nach dem Ausflug in den Graben wieder tatelos … was soll ich dazu sagen! Dafür war es der Standheizungsanzeige zu kalt. Nach der kalten Nacht zickte die Anzeige und Abschalten ging auch nicht mehr. Sie wollte einfach gegen die Käle weiter kämpfen … also Sicherung ziehen und neu starten.
- Frechheit, die Autobahngebühren von Tabriz nach Teheran waren genau so teuer wie 135 Liter Diesel beim Tanken auf der Strecke: knapp 3 Euro!
- Beim Versuch eine Iranische SIM-Karte zu kaufen, kam ich nicht unter einer Stunde Unterhaltung bei Tee und Kaffee mit der halben Verkaufsmannschaft wieder aus dem Laden.
- Anscheinend fällt der Toyota ziemlich auf, überall kucken mir die Menschen mit großen Augen hinterher, oft winken sie freundlich. Streng schauende Polizisten grüßen freundlich, die Autobahnpolizei will mir den Weg zeigen, obwohl ich nicht nach dem Weg gefragt habe …
- Atemberaubende Landschaften in Ostanatolien … zumindest die kurzen Augenblicke, in denen das Schneetreiben und der Nebel kurz Pause machten und die Landschaften erkennbar waren.
Hier die Bilder zum Blog:
http://www.cullmann.me/nggallery/page-11/album-1/gallery-30/
und
http://www.cullmann.me/nggallery/page-11/album-1/gallery-31/
Ich wünsche allen fleißigen Lesern alles Gute für das Jahr 2009
Euer Jens Cullmann
Vielen Dank fuer die vielen Zuschriften und Eintraege hier. Leider kann ich aus Zeitgruenden noch nicht jeden einzelnen antworten, wird aber bei Gelegenheit nachgeholt.
